Reisebericht der Azoren-/Madeira-Reise


Reisebericht Azoren/Madeira (1)

Am Pfingstsonntag 2010 kehrten wir dem kalten Deutschland den Rücken zu und flogen ab Bayreuth nach San Sebastian. Eine andere Welt offenbarte sich uns beim Anflug über die Küste: Überfüllte Strände von sonnenbadenden und lebenslustigen Menschen. Jetzt wurde uns erst bewusst, dass wir im Süden angekommen waren, denn auch die Außentemperatur zeigte in 1000 Fuß schon 27° C an. Bis wir uns in die erfrischenden Fluten stürzen konnten, dauerte es schon noch etwas. Wir hatten aber noch einen ganzen Tag Zeit, die schöne Stadt am Atlantik mit der Parte Vieja und dem Monte Urgell zu genießen und die Seele in der schönen Altstadt mit einem kühlen Bier baumeln zu lassen.

Wie gewonnen, so zerronnen, zwei Tage später war scheußliches Sturmwetter auf dem Flug über die Cordellera Cantabriea nach Santiago de Compostela gewesen. Auch eine Flugpilgerreise kann beschwerlich sein. Was uns erwartete, passte zu dem Grau in Grau, eine marode baufällige Stadt einschließlich der Kathedrale, die sich aber seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe nennt. Uns fiel besonders brüskierend auf, dass die meilenweit gepilgerten Gläubigen und auch anders denkende Pilger in ihren tagelang getragenen Klamotten mit Rucksack und Stock endlich das Ziel erreichend, nicht so in die Kathedrale eingelassen wurden. Von unfreundlichen Security-Leuten, die die Wanderer barsch behandelten und angeblich nichts verstehen wollten, wurden diese abgewiesen. Sie konnten nicht so wie sie als Menschen waren vor dem Reliquienstein des Hl. Jakobus niederknien und beten. Gott hätte heutzutage darüber nur den Kopf geschüttelt.

Es führt zwar kein Jakobsweg nach Fatima oder Lourdes, aber diese Pilgerstätten, die wir schon früher aufgesucht hatten, sind einen Besuch wert oder anders ausgedrückt, es kommt ein besonderes Feeling rüber.

Nicht unbedingt für jedes Gemüt erquickend dauerte der Flug von Santiago de Compostela nach Horta/Faial auf die Azoren 8 Stunden und 30 Minuten. Der Wettergott ließ es für 4 Tage nur so aus Kübeln gießen. Wir erforschten aber trotz mancher Nullsicht mit dem Leihwagen jede Ecke der Insel.

Zuwachs bekam die Insel im Westen 1957/58 durch einen untermeerischen Ausbruch des Vulcao dos Capelienhos. Erstarrte schwarze Lavawände, die von der Gischt der Atlantikwellen bearbeitet werden und das Einsinken der Schuhe beim Betreten der hellgrauen Aschewüste machen das Inferno noch heute sichtbar. Wenn es das Wetter zulässt, führt ein 3-stündiger Wanderweg um die Caldaira in der Mitte der Insel, wo Kraterwände 400 m vom Boden ansteigen. Die steile Anfahrt vorbei an Flamingoblumen, Hortensien und Riesenfarnen ist schon ein Erlebnis für sich, so wie sämtliche anderen Touren.

Horta ist im Atlantischen Ozean der Kulthafen für die Transatlantiksegler. Überall am Kai findet man Seglermotive, die auf Schritt und Tritt diese Leidenschaft spiegeln. Die berühmteste Seglerkneipe im Atlantik ist „Peter Cafe Sport“, die 1918 gegründet wurde und voller Wimpel, Flaggen und alten Bildern ausgeschmückt ist.

Aber nicht nur Segler, sondern auch berühmte Flieger wasserten vor Horta, so Albert Read mit einer NC4, Charles Lindbergh, die zwölfmotorige Dornier DO-X. Graf Zeppelin schwebte mit seiner Zigarre über der Stadt und nicht zuletzt klebt nun ein Sticker der D-GHAN am Bar-Tresen von „Peter Cafe Sport“.

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© Ralf & Marga Hannemann, 2011